Die Siedlung Danziger Dorf (1936)
Vorgeschichte
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Im Zuge der Besiedlung von Ostoberschlesiern ins "Reich" und zur gleichzeitigen Reduzierung der hohen Arbeitslosenquote in Danzig (damals Freistaat Danzig) wurden im gesamten Reichsgebiet Städte und Gemein- den angewiesen, sowohl für die Unterbringung als auch für die Schaffung von neuen Wohnungen für die Um- siedler zu sorgen. In diesem Zusammenhang entstand 1936 das Danziger Dorf am nördlichen Stadtrand Mag- deburgs, zwischen der Ebendorfer Chaussee und dem Magdeburger Ring, einem Teil des heutigen Stadtteils Kanne~stieg. Die Siedlung besteht aus nur drei Straßen: Loitscher Weg, Bertinger Weg und Wenddorfer Weg, wobei der Wenddorfer Weg eine halbbogenförmige Verbindung zwischen den anderen beiden Straen herstellt. Die ursprünglichen Straßenbezeichnungen (Langfuhrer Straße, Danziger Straße und Danziger Dorf) wurden 1951 ersetzt, auch der Name der Siedlung als Danziger Dorf durfte offiziell nicht mehr benutzt werden. Zur wirtschaftlichen Entlastung des damaligen Freistaates Danzig hatte sich die Stadt Danzig hauptsächlich an Industriezentren im Reichsgebiet gewandt mit der Bitte um Arbeitsbeschaffung für Danziger Arbeitslose. Angesichts der Besiedlungspolitik der Nationalsozialisten von Oberschlesiern ins Reich kam der Hilferuf aus Danzig nicht ungelegen. Es wurde daher beschlossen, in erster Linie verheiratete Arbeiter umzusiedeln, um die in Danzig zurückgebliebenen Familien so schnell wie möglich (nachdem die Wohnungsfrage geklärt worden war) nachkommen zu lassen und sie mit dem "Boden zu verwurzeln". Für die Besiedlung wurden besondere Mittel für Umzugskosten bereitgestellt, -Ausgabe von sog. Bedarfsdeckungsscheinen - wo die eigenen Mittel der Danziger nicht ausreichten. Während es dem Reich auf der einen Seite nicht schwer fiel, für die Danziger einen Arbeitsplatz zu beschaffen, erwies sich die Unterbringung der Familien als zentrales Problem für die Städte und Gemeinden, wobei es hierbei auch zu größeren Spannungen kam. Besonders für die Stadt Magdeburg bedeutete die Be- schaffung von Wohnraum für die Danziger ein höchst brisantes Thema. Magdeburg, ohnehin mit dem Problem der notorischen Wohnraumknappheit in der Stadt konfrontiert, sah dem Zuzug der Danziger mit großer Sorge entgegen und versuchte durch Anschreiben an verschiedene Stellen im Reich eine Besiedlung zu vermeiden. Durch eine Verfügung des Reichsarbeitsministers vom 30. September 1935 wurden die Landräte und Oberbürgermeister von Städten und Gemeinden angehalten, mit allen Mitteln die Wohnungssuche für die Danziger zu unterstützen: |
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"...In einzelnen Fällen, in denen es gelungen ist, Danziger Facharbeiter in Dauerstellungen unterzubringen, haben sich diese bereits Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt beschafft. Derartige Bestrebungen sind von allen beteiligten Stellen auf das nachdrücklichste zu unterstützen. Darüber hinaus kommt in erster Linie die Unterbringung in neu zu errichtenden Volkswohnungen in Frage. Schließlich wird auch in manchen Füllen die Ansetzung in Kleinsiedlerstellen möglich sein, soweit die Vorbedingungen dafür gegeben sind und die Familien, abgesehen von der Staatsangehörigkeit, die Voraussetzungen fr die Zulassung als Siedlungsanwärter für die Kleinsiedlung erfüllen(...). (An dieser Stelle wird die unterschiedliche Bedeutung zwischen Volkswohnung und Siedlerstelle besonders deutlich. Anm d. Autor). Mit der Ansetzung der Danziger Familien wird das Ziel erstrebt, sie dauernd im Reich zu halten. Es ist deshalb dringende Notwendigkeit, sie nur dort unterzubringen, wo aller Voraussicht nach eine dauerhafte Beschäftigung gewährleistet ist. Da nicht für alle Wechselfälle der Wirtschaft unbedingt Vorsorge getroffen werden kann, ist darauf Bedacht zu nehmen, da insbesondere solche Danziger zur Ansiedlung kommen, die eine verhältnismäßig hoch bezahlte Beschäftigung gefunden haben, so da ihnen auch dann, wenn wider Erwarten in absehbarer Zeit Arbeitslosigkeit eintreten sollte, so hohe Bezüge aus der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung oder der Krisenfürsorge zufließen, da eine zusätzliche Hilfe der Gemeinden nicht nötig wird....In gleicher Weise wäre die Zahl der anzusiedelnden Familien festzustellen. Hierbei weise ich ausdrücklich darauf hin, da, soweit verheiratete Danziger bei zeitlich begrenzten Arbeiten - z.B. Reichsautobahn- untergebracht sind, sie nur dann in der Nähe ihrer jetzigen Arbeitsstelle angesiedelt werden können, wenn nach Aufhren dieser Arbeiten eine andere Beschäftigung zu erwarten ist. Es ist daher auch möglich, solche nur vorübergehend in Arbeit gebrachte Danziger gleichzeitig mit ihrer Umsiedlung in andere dauernde Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. Der deutsche Gemeindetag wird an seine Landesdienststellen und provinziellen Dienststellen herantreten, um die Bereitwilligkeit der Gemeinden zur dauernden Aufnahme von Danzigern sicherzustellen. Zur Förderung der neu zu errichtenden Volkswohnungen oder Kleinsiedlungen werde ich besondere Mittel zur Verfügung stellen. Um die Finanzierung zu erleichtern und damit die Durchführung der Maßnahme zu beschleunigen, bin ich damit einverstanden, da das Darlehn sowohl für eine Volkswohnung als auch für die Kleinsiedlung bis zu 7.500 R M erhöht werden darf. |
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Hierzu kann bei kinderreichen Familien usw. ein Zusatzdarlehn ...hinzutreten. Die erste Hypothek in Höhe bis zu 50 v.H. des Bau- und Bodenwertes wird von der Preußischen Landespfandbriefanstalt gegeben werden. Auf diese Weise wird es möglich sein, die Neubauten durchweg ohne eine lb-Hypothek und ohne Übernahme einer Reichsbürgschaft zu finanzieren. Bei dieser Finanzierung wird sich auch die Miete (Belastung) noch niedriger als bei den sonstigen Vorhaben halten lassen und voraussichtlich keinesfalls 20 RM monatlich übersteigen. Jedenfalls wird auf einfachste, sparsamste und billigste Ausführung der Bauten (tunlich unter Einschaltung der Selbstund Nachbarhilfe) besonders Bedacht zu nehmen sein. Die mit den erhhten Reichsdarlehen geförderten Wohnungen und Kleinsiedlungen sollen der dauernden Unterbringung der aus Danzig bersiedelnden Familien dienen. Da von Danzig aus eine weitgehende Aufklärung insbesondere der zurückgebliebenen Familienangehörigen erfolgen wird, ist nicht zu besorgen, da etwa nach Fertigstellung der Wohnungen weniger Familien zugewiesen werden können, als Wohnungen oder Kleinsiedlungen für Danziger erstellt sind. Ebenso ist bei einem Freiwerden solcher Wohnungen oder Siedlungen infolge Wegzuges oder dergl. der ersten Wohnungsinhaber mindestens innerhalb der ersten fünf Jahre eine ziemliche Sicherheit dafür gegeben, da andere Danziger Familien eingewiesen werden können. Jedenfalls dürfen solche für Danziger erstellte Wohnungen oder Kleinsiedlungen, wenn sie in besonderen Ausnahmefällen wider Erwarten mit anderen als Danziger Volksgenossen besetzt werden müßten, nur mit Zustimmung des Präsidenten des Landesarbeitsamtes und der Bewilligungsbehörde an andere Familien vergeben werden. Die Reichsregierung legt entscheidendes Gewicht darauf, da die Maßnahme so schnell wie nur irgend möglich durchgeführt wird. Ich bitte daher, auch die übrigen Vorbereitungen hinsichtlich der Finanzierung, Übernahme der Trägerschaft usw. mit tunlichster Beschleunigung zu treffen und die erforderlichen Mittel bei mir anzufordern, ggf. auch zu berichten, welche Erleichterungen von den Vorschriften (z.B. hinsichtlich der Eigenleistung bei der Kleinsiedlung) geboten erscheinen..." (StAM, Rep 35, Hm 41). |
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Volkswohnungen |
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| (Quelle: Genzmer 1938) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Diese Verfügung des Reichsarbeitsministers löste bei Oberbrgermeister Markmann heftigen Protest aus und als im Jahr darauf ein ähnliches Schreiben die Unterbringung von ostoberschlesischen Rückwanderern im Reichsgebiet aus "staatspolitischen Gründen" dieselbe Gewichtung erhielt, versuchte Markmann aus wohnungspolitischen Gründen mit allen Mitteln den Zuzug von weiteren Schlesiern zu verhindern, obwohl die Stadt Magdeburg inzwischen mit dem Senat der Freien Stadt Danzig ein Abkommen unterzeichnet hatte, wonach arbeitslosen Danzigern in Magdeburg Arbeit und Unterkunft zugesichert wurden. Der OB schrieb an den Regierungsprsidenten von Sachsen-Anhalt: "...Nach obiger Verfügung soll die Beschaffung von Wohnungen für die im Bezirk angesetzten oberschlesischen Rückwanderer von allen Seiten nachdrücklich betrieben werden. Zur bevorzugten Unterbringung für zugezogenen Danziger wird das "Danziger Dorf" gebaut. Es wird nicht verkannt, daß die bevorzugte Unterbringung derOstoberschlesieraus staatspolitischen Gründen notwendig ist. In Verbindung hiermit muß aber auf die in Magdeburg herrschende und sich stetig steigernde Wohnungsknappheit hingewiesen werden. Nicht nur der Zuzug von Zuwanderem aus den Grenzländern oder abgetretenen Gebieten, auch die Verlegung großer Industrieunternehmen, die teilweise die Belegschaftmitbringen oder Facharbeiter nach hierziehen, verursacht die Steigerung der Wohnungsknappheit. Auch die Verstärkung der Militärbehörden trägt zur Steigerung bei. |
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![]() Blick in die Siedlung Danziger Dorf, Aufnahme 1937 (StAM) und 1996
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Unzählige alteingesessene Magdeburger Familien haben noch keine Wohnung, wohnen in unwürdigen Unterkünften oder sehr beengt für hohe
Bezahlung in Untermiete. Andere Magdeburger Familien, die durch Abbruch der Wohnungen (Brückenbau, Apfelstraße usw.) ihre Wohnungen
verlassen müssen, können keine Wohnung erhalten und mssen z. T. in Obdachlosenunterknften untergebracht werden.
Für all diese Familien würde es eine große Härte bedeuten, wenn Zugezogene bevorzugt in guten Wohnungen untergebracht werden
und sie dadurch fast keine Aussicht auf Erlangen einer Wohnung haben. In Anbetracht der vorstehend geschilderten Verhältnisse bitte
ich dahin zu wirken, da ein Zuzug von Rückwanderern aus Polnisch-Oberschlesien nach Magdeburg soweit als möglich eingeschränkt wird,
da eine Gewähr für eine baldige Wohnungsbeschaffung nicht bernommen werden kann. "(StAM, Rep. 35,Hm 41).
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![]() Bertinger Weg, Aufnahme 1937 (StAM) und 1996
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![]() Wenddorfer Weg, Aufnahme 1937 (StAM) und 1996
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| Miete | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Im Kleinsiedlungsverfahren werden bei Gruppensiedlungen ... die einzelnen Stellen den Inhabern zunächst miet(pacht)weise überlassen. Nach "dreijähriger Probezeit" ... findet die Übertragung der Grundstücke an die Siedler statt, sofern sie die Stellen während dieser Zeit ordnungsmäßig bewirtschaftet und sich auch sonst als Kleinsiedler bewährt haben. Die Miete (Pacht) whrend der 3jährigen Probezeit entspricht der Belastung der Stelle einschl. des etwa zu zahlenden Pachtzinses für Grund und Boden und eines Betrages von 1 v.H. der Gesamtbau- und Einrichtungskosten. ... Bei Volkswohnungen und Arbeiterwohnstätten sind gleichfalls Höchstsätze vorgeschrieben, die nicht überschritten werden dürfen... |
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| (Quelle: Genzmer 1938) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Mit dem Bau der Siedlung wurde im Juli 1936 begonnen, am 5. November wurde das Richtfest für die ersten Häuser gefeiert:
"Im nördlichen Stadtrandgebiet Magdeburgs, an der Ebendorfer Chaussee, fand das Richtfest für die ersten Häuser des "Danziger Dorfes",
einer Großsiedlung der Stadtverwaltung, statt. Es handelt sich um eine Siedlung, die Danziger Volksgenossen eine neue Heimat werden soll.
Die Siedler waren in Danzig jahrelang arbeitslos und können jetzt in Magdeburg wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden.
Sie sollen nicht verstreut in der Stadt, sondern ihrem völkischen Charakterentsprechend in einer geschlossenen Großsiedlung wohnen.
Dieser Aufgabe, der ersten ihrer Art überhaupt, wird die architektonische Lösung vollkommen gerecht, die vor allem den ländlichen Charakter
des "Dorfes" bewahrt...
Zum feierlichen Richtfest waren Vertreter des Freistaates Danzig nach Magdeburg gekommen, so der Vizepräsident des Danziger Senats, Huth,
Staatsrat Dr. Schimmel und Landesarbeitsamtleiter Gabriel. Auch die 190 Danziger Familien, die in Magdeburg Arbeit und Brot gefunden haben,
wurden durch Oberbürgermeister Dr. Markmann willkommen geheißen. Bereits am 15. November können die ersten 32 Wohnungen bezogen werden."
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| Baubeschreibung: | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| In der Siedlung begegnet man folgenden Haustypen: | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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![]() Model Danziger Dorf (StAM) ![]() Eine Zeichnung aus dem Jahr 1935 für das Danziger Dorf, die Aufteilung der Häuser wurde jedoch nicht in dieser Form übernommen. (StAM) |
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Luftschutzrume waren 1936 noch nicht zwingend vorgeschrieben. Der Dorfteich, der im Falle eines Feuers als Löschteich dienen sollte,
hätte wegen der beträchtlichen Längenausdehnung der Siedlung nicht genügt, so daß auch aus Luftschutzgründen die Anlage eines
Feuerlöschbrunnens an der südlichen Randstraße der Siedlung empfohlen wurde. (Ein Teich wurde nie angelegt.) Erst 1938 wurde das
Gemeinschafthaus nachträglich mit einem Luftschutzkeller versehen, welcher jedoch nur fr 60 Personen den vorgeschriebenen
Mindestluftraum von 3 cbm gewährleistete. |
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![]() Siedlung Danziger Dorf mit Vorlaubenhaus. (StAM) |
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| Das Vorlaubenhaus | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das Vorlaubenhaus, erst 1938 nach dem Vorbild eines Danziger Vorlaubenhauses errichtet, wurde als Gemeinschaftshaus für die Bewohner
des Danziger Dorfes geschaffen. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden einstigen Dorfanger bildet es das Zentrum der Siedlung.
Die vorgesetzte Bruchsteinmauer wurde mit den Wappen der Städte Magdeburg und Danzig versehen und als Gedenksttte verstanden. |
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![]() Das Vorlaubenhaus im Jahr 1939. (StAM) |
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![]() Das Vorlaubenhaus im Bau. (StAM) |
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![]() Vorlaubenhaus 1941. (StAM) |
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| Siedlungsgeschichte | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Keine andere Siedlung aus dieser Zeit ist in Magdeburg so gut dokumentiert wie das Danziger Dorf, was nicht zuletzt auf die besondere Bedeutung dieser Siedlung zurückzuführen ist. Gebaut unter dem Aspekt höchster staatspolitischer Bedeutung verfolgte die Öffentlichkeit von Anbeginn ihrer Planung die Siedlung mit besonderem Interesse. Bis heute ist das Danziger Dorf in Magdeburg die größte Siedlung für Danziger auerhalb ihrer ursprünglichen Heimatstadt geblieben. Trotz der zahlreichen politischen Umwälzungen, welche die Siedlung in der Zeit ihres 60-jährigen Bestehens erlebt hat, weist sie eine gewisse Beständigkeit auf, was nicht zuletzt daran liegt, da viele Bewohner ihrem "Dorf" treu geblieben sind. Inzwischen wohnt die dritte Generation in den Häusern ihrer Großeltern. Lebendiger und anschaulicher als jede Schriftquelle es vermag erzählten sie mir an einem Nachmittag im einstigen Gemeinschaftshaus, der heutigen Gaststätte "Insleber Krug", Geschichten aus ihrer Siedlung. Rainer Chill, Vorsitzender der Siedlersparte Nord und Bewohner des Danziger Dorfes, hatte das Treffen mit ungefähr 20 Bewohnern der Siedlung ermöglicht, die hier von Anfang an wohnen. Ausgerüstet mit alten Fotos, Dokumenten und Erinnerungen schilderten sie ihre Eindrücke und Erlebnisse: |
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![]() Danziger Dorf, dieses Siedlerhaus ist fast original erhalten. (StAM) |
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Bei den Männern, die aus Danzig kamen, handelte es sich in den meisten Fällen um Facharbeiter wie Zimmerleute, Schlosser und
Werftarbeiter, die fast alle zum Bau der Autobahn Hannover - Berlin in Hohenwarthe bei Magdeburg eingesetzt wurden.
Nachdem ihnen eine Wohnung im Danziger Dorf versprochen worden war, ließen sie ihre Familien nachkommen. Den Frauen fiel es
außerordentlich schwer, ihre Heimat in Danzig zu verlassen, aber sie hatten keine andere Wahl. Mit vielen Kindern und wenig Umzugsgut
kamen sie in Magdeburg an, wo sie feststellen mußten, daß die "schöne Wohnung", die ihnen versprochen worden war, noch nicht
fertiggestellt war. Zum Übergang, und dieser dauerte oft bis zu einem Jahr, wurden sie in Behelfsbaracken in Rothensee untergebracht,
ein Umstand, der die Eingewöhnung in der neuen Umgebung auf eine harte Probe stellte. |
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| Hausrat für Kleinsiedlungen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die wirtschaftliche Haushaltsführung der Kleinsiedler erfordert die Verwendung zweckmäßigen und technisch einwandfreien Siedlerhausrats, der nach Preis und Größe den Verhältnissen der minderbemittelten Volkskreise und den Raumverhältnissen ... angepat ist. Das Reichsheimstättenamt der Deutschen Arbeitsfront hat Richtlinien für Siedlerhausrat, insbesondere für Möbel, im Einvernehmen mit Handwerk, Industrie und Handel herausgebracht, desgl. eine Veröffentlichung "Deutscher Hausrat".... |
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| (Quelle: Genzmer 1938) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Im Krieg wurde ein Teil der Siedlung schwer beschädigt und zum Teil zerstört. Bei einem Luftangriff wurde das Vorlaubenhaus getroffen;
38 Menschen starben im darunterliegenden Luftschutzkeller. Als viele Danziger 1945 ihre Heimat über Nacht verlassen mußten, kamen etliche
von ihnen auch nach Magdeburg und in Danziger Dorf zu Bekannten und Verwandten. |
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![]() Geselliges Treffen der Siedler im Vorlaubenhaus. Im Hintergrund die Danziger Flagge. |